Fremdenfeindliche Schläger verletzen Berliner Linkspartei-Politiker
20.05.2006: Berlin/MVr Der türkischstämmige Berliner Linkspartei- Politiker Giyasettin Sayan ist Opfer eines fremdenfeindlichen Überfalls geworden.
Die beiden Täter beschimpften den 56-Jährigen Parlamentarier am Freitagabend in Berlin-Lichtenberg als "Scheiß Ausländer, Scheiß Türke" und schlugen ihn mit einer Flasche nieder, wie die Polizei heute mitteilte. Der migrationspolitische Sprecher der Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus wurde mit einer Gehirnerschütterung und Prellungen ins Krankenhaus gebracht.
Die Polizei geht von einem extremistischen Hintergrund aus. Die Schläger konnten unerkannt entkommen. Von ihnen fehlt bisher jede Spur. Lichtenberg gilt als eine Hochburg der Berliner Neonazi-Szene.
Fraktionschef Stefan Liebich äußerte sich bestürzt. "Ich bin entsetzt, dass so etwas in Berlin passieren kann." Er hoffe, dass die Polizei die Schläger schnell fasst. Der Polizeipräsident setzte für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 3000 Euro aus.
Sayan lebt seit fast 30 Jahren in Berlin und ist deutscher Staatsbürger. Von 1982 bis 1995 war er Mitglied der Grünen. Seit Ende 1995 sitzt er für die Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus.
Nach den Worten Liebichs wird Sayan, der von einer Pizzeria aus die Polizei alarmierte, vorerst noch im Krankenhaus bleiben. Ihm stünden noch einige Untersuchungen bevor.
Liebich wertete den Überfall als nachträglichen Beweis für die These des früheren Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye, dass es für Ausländer lebensgefährliche Gegenden in Deutschland gäbe. Leider gelte dies auch für Berlin. Er habe sich lange dagegen gewehrt, dies als Tatsache zu akzeptieren, sagte der Linkspartei-Politiker der dpa.
MVregio LAndesdienst dpa/bln
