Anlegen, Ablegen und Retten mit GALILEO - MarineSoft-Gruppe entwickelt neue Systeme
18.09.2006: Rostock/MVr Sicher auf See mit dem ersten europäischen Satellitennavigationssystem GALILEO: Die Rostocker MarineSoft-Gruppe entwickelt nun zwei neue Systeme, mit denen Manöver im Hafen sowie die Seenotrettung von GALILEO automatisiert und gesteuert werden soll.
"Mecklenburg-Vorpommern ist dabei, innovative Navigations-, Informations- und Leitsysteme für den maritimen Bereich zu entwickeln, zu erproben und zu vermarkten", sagte Wirtschaftsminister Dr. Otto Ebnet heute. "Mit der Errichtung eines Forschungshafens in Rostock können Wissenschaftler und Unternehmen ihre Anwendungen im Bereich Schiffsnavigation und Sicherheit erproben - und haben im gesamten Ostseeraum die Nase vorn." Beide Projekte zur Entwicklung der Anwendersysteme werden vom Wirtschaftsministerium im Rahmen der Technologie- und Innovationsförderung unterstützt.
Ein Unternehmen der MarineSoft-Gruppe, die Rostocker OSAM GmbH (Original Software Aus Mecklenburg) arbeitet derzeit an einem Verfahren, das das Manövrieren von Schiffen in engen Revieren automatisiert. "Besonders das An- und Ablegen von großen Frachtern und Fähren birgt bisher ein Kollisionsrisiko und erfordert mitunter zu viel Zeit", sagte Ebnet. "Die gängigen Messgeräte sind unter verschiedenen Wetterbedingungen ungenau. Die Besatzung muss die Daten mehrerer Einzelsysteme sammeln und mit digitalen, analogen und analog-mechanischen Anzeigen navigieren. Eine neue Technologie soll die Manöver durch ein Multisensor-System stärker automatisieren und sicherer machen."
Dabei soll das Satellitennavigationssystem GALILEO erstmals gegenüber Radar und GPS zuverlässige, zentimetergenaue Positionsdaten in Echtzeit garantieren. Das neuartige Steuerungssystem aus Rostock soll GALILEO mit den Daten des AIS-Systems (Automatic Identifikation System) verknüpfen, das gespeicherte Schiffsdaten wie Name, Schiffstyp, Länge, Breite, Position, Kurs und Ziel über UKW-Wellen sendet. GAM - GALILEO augumented Manoeuvring - wird somit das sicherste, verfügbare Manövrier-System werden.
Parallel dazu forscht die MarineSoft Entwicklungs- und Logistikgesellschaft mbH in Rostock an einem GALILEO-gestützten, automatischen Rettungssystem für über Bord gegangene Personen: GAR - GALILEO augumented Rescue - soll verunglückte Personen orten und ein unbemanntes Rettungsfahrzeug zu ihnen steuern. Dafür wird ein Rettungsanzug für Schiffsbesatzungen entwickelt, der mit Sensoren, Sendern und Empfängern ausgestattet ist und ähnlich einer Schwimmweste schon an Bord getragen werden soll. Ein Rettungsfahrzeug mit Ortungstechnik soll die verunglückte Person mit Hilfe der GALILEO-Navigation ansteuern und zum Schiff zurückbringen.
"Eine solche Technik ermöglicht der Seenotrettung eine völlig neue Qualität", sagte Ebnet. "Heutzutage werden Rettungsringe, Rettungsboote und Rettungsinseln eingesetzt - vorausgesetzt, der Unfall wird sofort bemerkt. Mit dem automatischen System können schnell und präzise Menschenleben gerettet werden - und kein Besatzungsmitglied muss sich bei den Rettungsmaßnahmen selbst in Gefahr bringen." GAR soll von Schiffstypen wie Yachten, Fahrgastschiffen, Fähren und Frachtern genutzt werden können.
"Beide Projekte beweisen Kompetenz und Leistungen von maritimen Zulieferunternehmen im Hightech-Bereich aus Mecklenburg-Vorpommern", sagte Ebnet. "Und sie zeigen, dass innovative Unternehmen im Land beim Aufbau von GALILEO mitwirken und davon profitieren können und außerdem zeigen sie auch, welches Potential in den Firmen und Hochschulen des Landes steckt." Auch für die Hochschulen und wissenschaftlichen Institute in Mecklenburg-Vorpommern sind die Projekte wichtig, um weitere Forschungen anzuschließen.
Im Rahmen der Technologie- und Innovationsförderung hat das Wirtschaftsministerium allein seit dem Jahr 2000 insgesamt 1.246 Projekte mit 108 Millionen Euro gefördert. Für die 20 Technologiezentren im Land wurden zusätzlich 240 Millionen Euro bereit gestellt.
MVregio Rostock mv/hro
