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"Untergetauchter" Wariner Bürgermeister offiziell in Urlaub - Internetuser rühmt sich seiner Medienpräsenz

01.01.2009: Rostock/MVregio "Bis in die Süddeutsche habe ich es geschafft", rühmt sich der Internetuser, der die angebliche Morddrohung gegen den Wariner Bürgermeister in einer rechtsgerichteten Internetplattform geschrieben hat.

So hatte er am 20. Dezember 2008 um 13:24 Uhr in dem Forum der Plattform geschrieben: "Aauuuuufffffffpasssssssssssäääännnnn!!! Hoch-Zeit der Lebkuchenmesser!! Das nächste "Opfer” stellt sich zur Verfügung. Gossel? Kommt von Gössel = Gans. Weihnachtszeit, Weihnachtsgänsezeit …"

Aufgrund dieses Textes wurde dann durch die Schweriner Polizei Personenschutz für den Wariner Bürgermeister Hans-Peter Gossel (53, parteilos)(Foto) angeordnet. Gossel hatte im NDR Nordmagazin unter anderem auch noch eine Strichmännchenzeichnung aufgeführt, von der er sich bedroht fühle. Bei dieser Zeichnung handelt es sich um den Ausschnitt eines Videos, das bei Videotube veröffentlicht wurde. Dort wird in Form von Strichmännchen das Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl dargestellt und verhöhnt. Die geschmacklose Veröffentlichung hat keinen Bezug zu Gossel.

Die bundesweite Presse, bis hin zur Süddeutschen Zeitung und Spiegel Online, titelte daraufhin zum Teil auf den ersten Seiten ihrer Ausgaben: "Wariner Bürgermeister von Rechtsradikalen mit Mord bedroht". Der NDR-MV berichtete im Nordmagazin ausführlich über Gossel und zeigte einen Bürgermeister, der mit weit ausholenden Armbewegungen die angebliche Morddrohung erklärte. Wörtlich sagte er, ihm sei "das Blut in den Adern gefroren, als sein Freund ihm den besagten Text zeigte. "

Bei Spiegel Online gibt Gossel sich dann als gejagtes Opfer: Dunkle Ecken habe er bei Spaziergängen zuletzt gemieden. Und selbst beim Gottesdienst am Heiligabend konnte sich Hans-Peter Gossel seinen Worten zufolge nicht wirklich entspannen - der Bürgermeister des mecklenburgischen Ortes Warin habe sich auf einen Platz ganz außen gesetzt, sicher sei sicher, er wollte bloß nicht zu nah an vielen Menschen sein. "Man muss nichts herausfordern", sagt Gossel SPIEGEL ONLINE.

Ganz außen habe der Bürgermeister am Heiligabend in der Kirche keineswegs gesessen, sondern er war gar nicht da, wussten Wariner Kirchgänger zu berichten und fügten noch hinzu, er hatte sich bereits am 22. Dezember 2008 abgemeldet. Sein Lebensgefährte hat 23.Dezember Geburtstag. In Warin wird ohnehin vermutet, dass Gossels Freund das Ganze inszeniert hat. Vor allem, dass sich der Bürgermeister jetzt von Rechten bedroht fühlt, erzeugt Erstaunen bei so manchem Wariner Einwohner. Eine ältere Dame erklärte gegenüber MVregio News: "Wissen Sie, der ist doch selber so ein kleiner Rechter. Sie müssen ihn mal hören, wenn es um Ausländer oder Jugendliche geht. Da fallen schon mal beängstigende Worte, die nicht von einer liberalen Gesinnung zeugen" Reiner W., ein anderer Einwohner aus Warin, der Gossel schon seit über 20 Jahre kennen will, meint: "Der Gossel ist zu allem fähig, wenn es um seine Interessen geht. Morddrohung von Rechten? Hier im Ort gibt es einige Leute, die ihm Tod und Teufel wünschen. Da gibt’s ja auch keinen Polizeischutz."

Auf der rechtsgerichteten Internetplattform macht man sich inzwischen darüber lustig, dass mit solchen angeblichen Morddrohungen die ganze Republik aufscheucht wird. Angespornt von der Medienpräsenz, plant die Usergemeinde weitere Aktionen und will über Neujahr die Republik erneut "aufschrecken". Eine Steigerung wäre die Tagesschau, meint ein User. Und schon hat man womöglich ein neues Opfer ausgemacht. "Wie heißt eigentlich der Bürgermeister von Stralsund?"

Gossel hatte gegenüber den Medien angekündigt, dass er jetzt untertauchen wolle, da die Polizei ihn nicht genügend bewache. Das wird von der Polizei dementiert. Aus polizeilicher Sicht soll er sich nicht an die Anweisungen der Personenschützer halten und sei somit schwer zu bewachen. Die Polizei stellt natürlich die Frage, wie sehr sich Gossel tatsächlich bedroht fühlt.

Nach Informationen von MVregio News ist er mit seinem Lebensgefährten Mathias von D., wie zu jedem Jahreswechsel, nach Hamburg Rahlstedt in dessen Villa gefahren. Einwohner aus Warin wundern sich: "Jeder hier im Ort weiß doch, wo er ist. Komisches Abtauchen."

"Uns gegenüber hat er sich offiziell in den Urlaub nach Hamburg abgemeldet", bestätigte die zuständige Polizeisprecherin. In Polizeikreisen wundert man sich derzeit sehr über Herrn Gossel. Zuerst nämlich informierte er die Medien über sein vermeintliches Abtauchen. Erst danach erfuhr die Polizei von seiner Abreise in den Urlaub nach Hamburg.

Gossel ist scheinbar ein guter PR-Mann in eigener Sache. Die Anzeige über die angebliche Morddrohung landete fast zeitgleich bei der Polizei und beim NDR in Schwerin. Dort soll der Freund von Gossel angerufen haben. Für ein Opfer, das sich bedroht fühlt, sei dies schon ein ungewöhnliches Verhalten, stellen Kripobeamte fest. "Leute, die sich bedroht fühlen, rufen nicht gleich bei den Medien an - sondern ganz im Gegenteil: Sie meiden möglichst die Öffentlichkeit. "Jemand der sich bedroht fühlt, reist nicht in den Urlaub ab und der halbe Ort kennt das Ziel", meint ein Personenschützer des LKA Berlin.

In Warin und Umgebung hält man das Ganze für eine Gossel typische Aktion. Die meisten Einwohner verstehen langsam nicht mehr, warum die Medien davon so stark Notiz nehmen.

Einen positiven Nebeneffekt hat das Ganze dennoch: "Jetzt weiß jeder in Deutschland, wo Warin liegt", kommentierte die Kassiererin eines Supermarktes und spöttelt dann mit bitteren Unterton: " Ich komme aus Neukloster. Vielleicht kann die Presse da mal über die rechte Bedrohung schreiben. Die ist nämlich real."

MVregio Schwerin kdb/sn/sn

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Artikel erstellt: 31.12.2008, 17:46, 6462 Anschläge

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