"Einfach anfangen" - Migranten schaffen Arbeitsplätze im Nordosten
08.01.2006: Rostock/MVr Amarseet-Singh Malhotra ist in seiner Wahlheimat Rostock gut im Geschäft. 17 Arbeitsplätze hat er geschaffen. Der Besitzer des Bombay House in Rostock
und zweier weiterer Restaurants in Warnemünde will noch weiter expandieren. Am Anfang, erzählt der 37-Jährige, habe er durchaus Fehler gemacht. Der gelernte Textilkaufmann, der seit 1989 in Deutschland lebt und 1992 in die Hansestadt kam, musste erkennen, dass Deutschland sehr bürokratisch ist. Inzwischen hat er sich daran gewöhnt. "Wenn man alles richtig macht, dann sind die Ämter auch zufrieden", sagt Malhotra.
Zu Beginn waren vor allem die mangelnden Sprachkenntnisse ein Hindernis. "Es würde helfen, wenn Englisch auch Amtssprache wäre", findet der Unternehmer. Da könne Deutschland von der Schweiz lernen. Dann, so glaubt er, würden noch mehr Unternehmer hier investieren. Manchmal ärgert sich der Restaurantchef über die Unfreundlichkeit mancher Mitarbeiter. "Wir Inder sind viel gastfreundlicher", findet der Familienvater.
"Viele Migranten aus den alten Bundesländern haben hier ihre Nische gefunden", hat der Projektleiter "Pro Qualifizierung" des Vereins "Dien Hong - Gemeinsam unter einem Dach", Hartmut Gutsche, beobachtet. Aber auch für Zugewanderte in Mecklenburg-Vorpommern selbst sei der Sprung in die Selbstständigkeit oft der einzige Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Die Erwerbslosenquote unter Ausländern sei mit 50 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den deutschen Mitbürgern. Außerdem fällt der Schritt "Einfach anzufangen", mit dem die Existenzgründerkampagne im Nordosten wirbt, anderen Kulturen weniger schwer als den Deutschen.
Das Projektteam hat es sich zum Ziel gesetzt, ausländische Unternehmer in der Region Rostock bei der Auswahl von Bildungsmaßnahmen und bei der Existenzsicherung zu unterstützen. "Außerdem wollen wir den Unternehmern helfen, eine eigene Lobby zu schaffen", sagt der 37-Jährige. Als ersten Schritt sieht er daher den gerade ins Leben gerufenen vietnamesischen Unternehmerstammtisch. 17 Geschäftsleute kamen zum ersten Treffen, um mehr über Steuern und Existenzsicherung zu erfahren.
Mit dem Verein Dien Hong fängt das Projekt, das von der Europäischen Union gefördert wird und Partner in Nordrhein-Westfalen, Spanien und Italien hat, nicht bei null an. "Wir nutzen unsere Kontakte zu Bildungsträgern, Arbeitsamt und IHK", sagt Gutsche. Besonderes Augenmerk legen Gutsche und sein Team auf die Hilfe bei der Existenzsicherung. "Viele Unternehmer mit Migrationshintergrund haben das Gefühl, dass sie sich nicht verständlich machen können." Das liege sowohl an mangelnden Sprachkenntnissen als auch an der anderen Mentalität. "Das Verwaltungsdeutsch ist nun mal sehr speziell", sagt Gutsche. Selbst wenn ein Berater meine, er habe seine Auskünfte klar formuliert, könne das beim ausländischen Unternehmer ganz anders ankommen. Andererseits erscheine es Deutschen oft suspekt, wenn ihr Gegenüber scheinbar "um den heißen Brei" herumredet und nicht direkt zum Ziel kommt.
Einen weiteren Schwerpunkt sieht der Rostocker darin, die Schaffung von Ausbildungsplätzen anzuregen. In einer Studie, die das Projektteam durchführte, gaben 10 der befragten Unternehmer an, bereits ausgebildet zu haben, immerhin 42 möchten sich über die Vorteile als Ausbildungsbetrieb informieren. "Hier besteht noch jede Menge Potenzial." Als Beispiel nennt Gutsche den Fachverband DEHOGA, der ebenfalls mehr berufliche Ausbildung in den Gaststätten wünscht, zugleich aber den schlechten Kontakt zu den ausländischen Restaurants beklagt. "Wir sind Vermittlungspartner", erläutert der Rostocker seine Aufgabe. Das sei auch eine Art der Wirtschaftsförderung.
Mvregio Rostock ddp/hro
