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Kardinal Lehmann verlangt mehr Unterstützung für Arbeitslose

31.12.2006: Mainz/München/MVr In ihren Silvesterpredigten haben katholische Bischöfe mehr Anstrengungen im Kampf gegen soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und Armut angemahnt.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zeigt der Sozialstaat einige "Schwächen" und "Entgleisungen", die korrigiert werden müssten. "Wir haben zu viele Aufgaben dem Staat aufgebürdet, der diese Lasten nur durch eine hohe Verschuldung tragen kann", sagte der Mainzer Bischof laut Manuskript in seiner Predigt im Mainzer Dom. So würden künftige Generationen besonders belastet.

"In diesem Sinne müssen wir unseren Sozialstaat in mancher Hinsicht umbauen, was nicht gleichbedeutend ist mit abbauen", sagte Lehmann. Auch in Zukunft müssten die Sozialversicherungen die Grundrisiken des menschlichen Lebens tragen können. Arm und Reich klafften oft weit auseinander. "Die Rede von einer "Zweidrittelgesellschaft" ist nicht nur ein Gespenst", sagte er. Dieser Begriff bezeichnet eine Gesellschaft, in der zwei Drittel gut, der Rest aber nur schlecht leben kann.

Lehmann forderte, mehr gegen die Arbeitslosigkeit zu tun. "Wir dürfen uns nicht mit der hohen Arbeitslosigkeit und vor allem der Langzeitarbeitslosigkeit abfinden", betonte der Bischof. "Gerade, wenn es uns besser geht, müssen wir hier vermehrt Anstrengungen unternehmen."

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, forderte mehr Menschlichkeit im Umgang mit sozialen Problemen wie der Arbeitslosigkeit. Man dürfe sich nicht mit optimistischen Prognosen begnügen, dass es jetzt wieder wirtschaftlich bergauf gehe, sagte Wetter laut Redetext am Sonntag in seiner Predigt im Münchner Liebfrauendom. Bei jedem Arbeitslosen gehe es um eine Lebensgeschichte, um Hoffnungen und Sehnsüchte. Er habe nicht den Eindruck, dass sich Arbeitslose "nur zu waschen oder zu rasieren bräuchten, um sofort wieder in eine Arbeit vermittelt werden zu können". Damit kritisierte der Erzbischof indirekt SPD-Chef Kurt Beck, der diesen Rat im Dezember einem Arbeitslosen gegeben hatte.

Ausdrücklich sprach sich der Kardinal für einen Dialog der Religionen und Kulturen aus - auch wenn es etwa zwischen dem Christentum und dem Islam gravierende Unterschiede gebe. Es gehe um das weltweite friedliche Miteinander. Das sei auch eine Voraussetzung dafür, die Not der Armen zu lindern.

MVregio News red/mvr

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Artikel erstellt: 31.12.2006, 17:33, 2648 Anschläge

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