Medow - Schweinemastanlage schließen !
03.02.2007: Medow/MVr Stop für Landesförderung industrieller Schweinemastanlagen - Medower Bürger: 7 Monate Gestank sind genug! - BUND mit 4 Meter hoher Riesensau auf der Protestdemonstration in Medow bei Anklam.
Medower Schweinemastanlage hat Umwelt- und Tierschutzprobleme.
Eine Stilllegung der Medower Skandal-Schweinemastanlge und eine Rücknahme der geplanten Landesförderung für industrielle Schweinemastanlagen aus den EU-Fonds fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute auf der Protestdemonstration gegen die Skandalanlage im vorpommerschen Medow bei Anklam.
BUND Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag: "Die skandalöse Praxis der Medower Anlagenbetreiber hat bislang mehr als deutlich gezeigt, dass industrielle Schweinemast große Tierschutz und Umweltprobleme hat, die auch nicht durch aufwendige Genehmigungsverfahren beherrschbar sind. -
Dass das Land Mecklenburg-Vorpommern Investitionen dieser Art in Zukunft aus EU-Mitteln des Fonds für ländliche Entwicklung (ELER) födern will, ist unhaltbar! - Die EU-fordert, dass artgerechte Tierhaltung in zukunftsweisenden Systemen gefördert werden soll. Davon kann aber bei den industriellen Schweinemastanlagen, wie hier am Beispiel Medow sichtbar, nicht die Rede sein!"
Dr. Burkhard Roloff, Agrarexperte vom BUND: "Die Haltung von Schweinen in so hoher Konzentration, ganzjährig in geschlossenen Ställen, ohne Auslaufmöglichkeiten ist nicht artgerecht. Die Betonspaltenböden machen die Tiere krank, sie ergeben schlechte Luftqualitäten, die zu Atemwegserkrankungen führen - sowohl für die Tiere als auch für die Menschen in diesen industriellen Mastanlagen. In industriellen Schweinemastanlagen haben die Mastschweine höhere Sterblichkeitsraten und das Schweinefleisch hat eine geringere Fleischqualität. Alternative konventionelle Markenfleischprogramme, wie das seit 18 Jahren erfolgreiche NEULAND-Programm demonstrieren täglich, dass es möglich ist, Mastschweine artgerecht zu halten mit Auslauf, Einstreu und artgerechtem Futter und dadurch hochwertiges Schweinefleisch zu erzeugen."
Die industriellen Schweinemastanlagen schaffen dagegen nach BUND-Erfahrungen kaum Arbeitsplätze, gefährden den Wohnwert und die Lebensqualität der Anwohner. - Für zehn Arbeitsplätze fahren jetzt stündlich Gülletransporte, Ferkeltransporte Schlachttransporte und Futtertransporte durch Medow und der Gestank durch die Anlage macht die Nutzung von Gärten, Terassen und jeden Erholungsaufenthalt im Freien zum Ärgernis. Die Beschwerden und mehr als 250 Geruchsprotokolle der Einwohner beantworteten Landespolitik und Behörden bisher mit einem Geruchsgutachten, was zu dem Schluß kommt, dass die Bürger sich geirrt haben. Zwar seien die Emmissionen um 63% höher als die Prognose, so das Gutachten der Firma "ECOMA" aus Schleswig-Holstein, doch rechnerisch würde kein Grenzwert überschritten. Doch die Medower haben genug nach 7 Monaten Gestank und Skandalen. Sie wollen, dass die Schweinemastanlage stillgelegt wird.
An einem verantwortungsbewußten Anlagenbetrieb gibt es immer wieder neue Zweifel: "Gestern hat sich nach dem Test der noch immer unfertigen Güllebehälter herausgestellt, dass es von der Anlage eine direkte Verbindung über die Meliorationsgräben und Vorflutkanäle bis in das europäische Naturschutzgebiet Peenetal gibt! - Eine floureszierende, zwar ungiftige aber nachweisbare Kontrollflüssigkeit aus den Güllebehältern wurde durch die Anlagenbetreiber einfach in die Melioration eingeleitet (Siehe Foto). Hier gibt es offenbar ein einfache Möglichkeit zweifelhafte Stoffe zu entsorgen. In der Genehmigung war aber festgelegt, dass es keine Verbindung aus der Anlage zum Oberflächenwasser geben darf. Der Zugang muß auf jeden Fall versiegelt werden!" so Corinna Cwielag vom BUND.
Gegen die Genehmigung der Anlage durch das Staatliche Amt für Umwelt und Natur Ueckermünde vom 27.9.2002 haben Bürger und BUND Mecklenburg-Vorpommern eine Klage vor dem Greifswalder Verwaltungsgericht eingereicht, zu der am 22. Februar 2007 eine Verhandlung stattfinden soll. Der Schließungsantrag des BUND an die Genehmigungsbehörden ist bislang nicht beschieden worden.
Für die 15.000er Schweinemastanlage in Medow haben sich nach BUND-Einschätzung seit dem vorzeitigen Betriebsbeginn im Juli 2006 alle Bedenken zu den Umweltbelastungen bestätigt: "Es gibt unerträgliche Geruchsbelastungen, die Gülle ist bis heute nicht vorschriftsmäßig gelagert, die Tiersterblichkeit ist hoch - wir erinnern an die Tierkadaver unter freiem Himmel im Juli und August. Erst auf Presseberichte wurde ein Kadaverhaus gebaut. Wir fordern die Landesregierung auf, die Anlage sofort und so lange stillzulegen, bis wenigstens die Genehmigungsauflagen erfüllt sind und zusätzlich ein Luftfilter für die Abluft eingebaut wurde." so BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag vor den Demonstrationsteilnehmern in Medow.
MVregio Landesdienst red/ovp/Corinna Cwielag
BU: Einleitung der Testflüssigkeit aus dem Güllebehälter der umstrittenen Schweinemastanlage Medow.
