Spülung der Ostsee-Pipeline mit Umweltgift geplant
23.02.2008: Berlin/MVregio Die geplante Ostseepipeline soll offenbar vor ihrer Inbetriebnahme 2011 mit einem starken Umweltgift gespült werden.
Die Chemikalie werde danach vermutlich in die Ostsee geleitet, berichtete das Magazin "Spiegel" am Samstag vorab. Diese Pläne des vom russischen Energiekonzern Gazprom geführten Nord-Stream-Konsortiums seien den deutschen Behörden grundsätzlich bekannt, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl.
Demnach soll die Pipeline mit 2,3 Milliarden Litern einer Lösung aus giftigem Glutaraldehyd gespült und das Gemisch anschließend in die Ostsee entsorgt werden. Glutaraldehyd wird als Bakterien-Killer verwendet und hat insbesondere auf Wasserorganismen eine stark giftige Wirkung. Nord Stream wolle die Chemikalie verwenden, um die Pipeline-Innenseiten zu säubern, schreibt das Blatt.
In dem vom Bundesumweltministerium verfassten Papier heißt es laut Magazin, Fauna und Flora in der Ostsee seien ohnehin schon stark durch Schadstoffe belastet. "Die Einleitung von Glutaraldehyd würde somit in ein besonders empfindliches und besonders gefährdetes Ökosystem erfolgen", zitiert der "Spiegel". Allerdings prüfe Nord Stream auch Alternativen zur Giftlauge.
Im Aufsichtsgremium von Nord Stream sitzt neben Vertretern des Energiekonzerns E.ON und des Chemie-Konzerns BASF auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD). Kotting-Uhl forderte die Bundesregierung dem Bericht zufolge auf, die Einleitung von Glutaraldehyd in die Ostsee auf jeden Fall zu verbieten.
Die 1200 Kilometer lange Erdgastrasse soll ab Sommer 2009 verlegt und 2010 bereits in Probebetrieb genommen werden. Jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas werden den Plänen zufolge nach Deutschland und Westeuropa gepumpt, das würde rund ein Zehntel des europäischen Gasbedarfs decken.
MVregio Landesdienst mv/b
