Minister Backhaus in Brüssel: Dorschprojekt verbindet Aquakultur mit verantwortungsvollem Fischereimanagement
18.09.2008: Schwerin/Brüssel/MVregio Veranstaltung der norddeutschen Küstenländer im Hanse-Office in Brüssel
Minister Dr. Backhaus (49, SPD) drängt gemeinsam mit Länderkollegen auf verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Fischereipolitik - "Chancen der Aquakultur nutzen" heißt für M-V, das Dorschprojekt voran zu bringen - Backhaus fordert von der EU-Kommission mehr Unterstützung - Minister spricht bereits am Nachmittag mit Kommissar Joe Borg über Dorsch-Projekt und Quotenvorschläge der EU für die Ostsee - Minister wird angekündigte drastische Heringsquotensenkung vehement zurückweisen
Am Mittwochnachmittag ist der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern Dr. Till Backhaus (Foto) in Brüssel zu einem Gespräch über die Fischerei in der Ostsee mit dem Europäischen Fischerei-Kommissar Joe Borg zusammengetroffen. Aus aktuellem Anlass wurden die von der EU-Kommission für 2009 vorgeschlagenen Kürzungen der Quoten für Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee von 15 bzw. sogar 63 Prozent im Mittelpunkt gestellt.
Wie Dr. Backhaus bereits in der letzten Woche zum Ausdruck gebracht hatte, sind insbesondere die Quotenvorschläge bei Hering absolut inakzeptabel. "Bei bereits seit mehreren Jahren permanent rückläufigen Dorschquoten würde dann auch das zweite der beiden Hauptstandbeine der Fischerei Mecklenburg-Vorpommerns faktisch weggehauen, denn eine Kürzung um fast zwei Drittel kann man nicht anders bezeichnen", macht der Minister die Dramatik der Lage für die hiesige Küstenfischerei deutlich.
"Ich werde die Gelegenheit nutzen, Kommissar Borg auf die hierdurch heraufbeschworene existenzielle Bedrohung einer ganzen Branche in einer ohnehin von Strukturschwäche geprägten Region mit aller Deutlichkeit hinzuweisen", sagte Dr. Backhaus und erinnert zugleich an die vielfältigen und mit umfassender Finanzhilfe aus Brüssel getätigten Investitionen vom kleinen Fischkutter über die Umrüstung auf den Heringsfang bis hin zum Fischbearbeitungszentrum Sassnitz-Mukran.
"Fischer und Fischverarbeiter brauchen Verlässlichkeiten für wenigstens einige Jahre in Folge und daher Mehrjährige Bewirtschaftungspläne auch für den Hering", forderte der Minister, der gleichwohl die Notwendigkeit versteht, auch mal Quoten kürzen zu müssen, wenn die Fischbestände sich nicht wie erwartet entwickeln. "Aber 63 Prozent von einem Jahr zum nächsten, und dies vier Monate vorher anzukündigen, ist insbesondere für die kleine, lokale Fischerei unzumutbar", so Dr. Backhaus. Für die Kleinfischer, die stets nur im unmittelbaren Küstenbereich "vor ihrer Haustür" fischen könnten, müsse man im Falle von Quotenkürzungen ohnehin über Sonderregelungen nachdenken.
Die Entwicklung der Herings- und Dorschbestände zeige zugleich auf, dass das etablierte Bewirtschaftungssystem der EU mit TAC und Quoten, flankiert von ausufernden technischen Bestimmungen von der Einhaltung der Maschenweiten bis zur täglichen Fangmeldung, längst an seine Grenzen stoße und bei den Fischern immer weniger Akzeptanz fände. "Wir müssen ernsthaft über Alternativen nachdenken, und daher ist das Dorschprojekt Mecklenburg-Vorpommerns auch als Anstoß zu verstehen, von den passiven Methoden der Bestandsverwaltung hin zu aktiven Maßnahmen zur Bestandsentwicklung zu kommen", so der Vorschlag von Minister Dr. Backhaus.
Hierzu wird der Minister auf der abendlichen Fachveranstaltung der norddeutschen Länder "Verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Fischerei" näher ins Detail gehen. Dabei wird er einerseits das Dorschprojekt nochmals vorstellen, andererseits aber auch aufzeigen, dass ein auf Aquakultur gestütztes aktives Management Chancen eröffnet, vom "Windhundrennen auf den Fisch" weg zu kommen. "Wenn wir am Besatz sich finanziell beteiligende Fischer mit höheren Quoten oder nur ihnen zugänglichen Lizenzen belohnen, wächst ihr Interesse an der nachhaltigen Pflege der Bestände", verweis7 Dr. Backhaus auf die angestrebte Stärkung der Position der Fischer als Rechts-inhaber und damit echte Sachwalter für die Fische und deren Umwelt.
Das Dorschprojekt setze genau dort an, wo Wissenschaftler die Hauptursache für die rückläufigen Fischbestände sähen - bei ihrer mangelnden Rekrutierung nämlich. Diese beruhe eben nicht nur auf Überfischung sondern auch auf sensiblen Umweltfaktoren wie Temperatur und Salzgehalt der Ostsee. "Insoweit sind wir mit einem Projekt, das den Nachwuchs beim Dorsch aktiv unterstützt, indem man solche unzureichenden Umweltfaktoren umgeht, zugleich am Puls der Zeit", argumentierte Minister Dr. Backhaus mit Blick auf die von Experten prognostizierten weiteren Veränderungen für die Ostsee im Zuge des Klimawandels.
MVregio Landesdienst mv/sn
