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Frauenpower für M/V am Runden Tisch zur Grünen Gentechnik

20.05.2009: Berlin/MVregio Wir befinden uns im Jahre 2009 nach Christus. Ganz Deutschland ist von den Gentechnikgegnern besetzt ...Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Forschern bevölkertes Dorf hört nicht auf,

Widerstand zu leisten. In Groß Lüsewitz bei Rostock arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern und regionalen Unternehmen in dem Projektverbund BioOK an der Standardisierung von Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen und könnte dabei auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung zum Weltmarktführer avancieren.

Die streitbare Rostocker Biologieprofessorin Inge Broer (Foto) wird heute (Mi,20.05.) diese Vision an den Runden Tisch der beiden Ministerien für Forschung und Landwirtschaft nach Berlin tragen. Nach der Zielstellung, die zu Beginn von Bundesforschungsministerin Anette Schawan formuliert wurde, sollen dabei "alle Akteure versammelt sein, darunter Verbände, Unternehmen, Wissenschaft, Nichtregierungsorganisationen und Kirchen", um in einem "Dialogprozess" die Erforschung und den Einsatz gentechnisch veränderter Nutzpflanzen in Deutschland zu koordinieren.

Prof. Broer stand ganz oben auf der Wunschliste der Ministerin - Als Pionierin auf dem Forschungsgebiet der Grünen Gentechnik und Initiatorin von BioOK hat sie Erfahrung darin, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen: Nach ihren Worten stellt der Projektverbund "ein Musterbeispiel interdisziplinärer Zusammenarbeit auf wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene" dar. Prof. Broer kann über methodische Erfahrungen hinaus auch echte Resultate mit nach Berlin nehmen: Diese waren erst kürzlich Gegenstand des 3. Internationalen Symposiums BioOK. Die Zeitungen titelten unter anderem: "Siegel für Gen-Pflanzen" und lobten den innovativen Forschungsansatz, ein standardisiertes Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderter Organismen (GVOs) entwickeln zu wollen.

Dessen Umsetzung stellt sich nach Broer deshalb als schwierig dar, weil jede Genveränderung sehr individuelle "gewollte und ungewollte Wirkungen" erziele. Das Untersuchungsspektrum wäre dabei entsprechend unterschiedlich. Trotz der selbstgestellten Mammutaufgabe, die bisher üblichen komplexen (und entsprechend teuren) Breitbanduntersuchungen auf ein Standartverfahren zu reduzieren, gelang es der Biologin, ihre Professorenkollegen und das Forschungsministerium davon zu überzeugen, in das Projekt zu investieren. Eine wesentliche Bedingung für die Unterstützung aus Berlin war die Vernetzung mit Partnern aus der Wirtschaft, die einen steigenden Anteil der Kosten zu übernehmen hatten. Der Grund: Das Forschungsministerium will stets nur eine Initialzündung geben, um geförderte Projekte wie BioOK danach in die Selbständigkeit zu entlassen.

Tatsächlich gelang es dem Team aus fünf Rostocker Professoren und sechs regionalen mittelständischen Unternehmen, die Voraussetzungen für die zweite Förderperiode zu erfüllen. Musste das Projekt in den vergangenen drei Jahren noch mit einem 75-prozentigen Anteil aus dem Fördertopf des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt werden, reduziert sich der öffentliche Zuschuss künftig auf 50 Prozent - Danach will sich der Projektverbund aus den Aufträgen von Agrarunternehmen finanzieren, die das Prüfverfahren in Anspruch nehmen.

Soll dieses ehrgeizige Ziel gelingen, müssen Prof. Broer und ihre Mitstreiter die Berliner Runde davon überzeugen, ein europaweites standardisiertes Zulassungsverfahren für GVOs zu unterstützen und BioOK mit dessen Entwicklung zu betrauen. Die Chancen stehen gut für Groß Lüsewitz, stellt das Projekt doch nach den Worten Broers schon jetzt die einzige etablierte "One-Stop-Agency" dar: "Wir begleiten die Antragsteller im Verfahren um den Versuchsanbau von gentechnisch veränderten Organismen von der Zulassung bis zum Abschlussbericht. Dieser ganzheitliche Ansatz ist weltweit einzigartig."

Die Senkung der Verfahrenskosten von derzeit 20 bis 50 Mio. Euro auf ein bis fünf Mio. Euro pro "Event" (Einzelantrag auf Zulassung des Versuchsanbaus) wäre ein Resultat der Etablierung eines "beschleunigten Decision-Support-Systems" so Broer: Behördliche Zulassungsentscheidungen sollen damit schneller und kostengünstiger für alle Seiten ablaufen. Entsprechende Verfahren würden so endlich auch für kleinere regionale Unternehmen erschwinglich - Die Abhängigkeit von Agro-Riesen wie dem umstrittenen US-amerikanischen Monsanto-Konzern könnte massiv abgebaut werden und ein Hauptargument der Gentechnikgegner entfiele durch die dadurch angeregte Entmonopolisierung.

Dem Forschungsministerium geht es bei der Unterstützung von BioOK vordergründig um die Herstellung von Entscheidungsklarheit - Zwischen Schawans Forschungs- und Aigners Landwirtschaftsministerium hatte es zuletzt heftige Differenzen im Zuge des Verbotes von Monsantos Genmais MON810 gegeben: Neben den unterschiedlichen politischen Präferenzen resultierte der Streit zwischen beiden Unionsfrauen wohl auch aus dem Fehlen einer einheitlichen Bewertungsgrundlage.

So erklärt sich auch, dass der nunmehrige Runde Tisch einer Initiative der fortschrittsfreundlichen Anette Schawan zu verdanken ist und diese sich als eine der ersten Teilnehmer Prof. Inge Broer aus Rostock nach Berlin geladen hat. Die engagierte Professorin ließ sich nicht lange bitten, geht es ihr doch darum, die Erforschung der Grünen Gentechnik in Deutschland zu erhalten. Sie hat dabei auch entsprechende Entwicklungschancen der Region Rostock im Blick:

Neben anderen sogenannten Wachstumskernen in Ostdeutschland entwickelt sich diese nämlich ganz besonders dynamisch auf dem Gebiet der Begleitforschung für Grüne Gentechnik. Das ist wiederum insbesondere der Förderung durch das Bundesforschungsministerium im Rahmen der sogenannten "BMBF-Innovationsinitiative Neue Länder" zu verdanken. Die Zielstellung: "Aus- und Aufbau einer besonderen technologischen Kompetenz von Regionen und ihre Umsetzung in Innovationen, die zu mehr Wirtschaftswachstum" führen.

Die beiden Alpha-Frauen Schawan und Broer tragen somit entscheidend dazu bei, dem strukturschwachen Agrarland Mecklenburg-Vorpommern eine neue Perspektive als Forschungsstandort zu verschaffen und haben dabei mit der Landwirtschaftsministerin Aigner eine heimliche Verbündete. Hatte sich diese beim Verbot von MON810 noch der politisch motivierten Richtungsentscheidung der CSU-Parteispitze gebeugt, rief sie anlässlich des heutigen Runden Tisches dazu auf, für die Grüne Gentechnik offen zu sein: Jede neue Technologie müsse "kritisch auf ihre Fähigkeit geprüft werden, inwieweit sie die Gesellschaft voranbringt und aktuelle wie künftige Probleme lösen kann", schrieb Aigner in einem Gastbeitrag für das "Hamburger Abendblatt". Prof. Inge Broer kann sich dieser Stoßrichtung nur anschließen: "Bei BioOK verstehen wir unsere Aufgabe darin, vorurteilsfreie und wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen für die Zulassungsbehörden zu entwickeln." Die endgültige Entscheidung bliebe damit immer noch den Politikern überlassen.

MVregio News red/km/ber

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Artikel erstellt: 20.05.2009, 15:03, 7672 Anschläge

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