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Rostock braucht keinen Atomstrom

29.12.2009: Rostock/MVregio Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der Rostocker Bürgerschaft setzt sich gegen den Bau eines Atomkraftwerkes in Gryfino (Polen) ein.

Ein solches Kraftwerk könnte nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung bedrohen, sondern auch viele nachhaltige Entwicklungen der vergangenen Jahre in der Hansestadt Rostock gefährden.

Bis zum Jahr 2020 sollen in Polen zwei Atomkraftwerke gebaut werden. Damit beabsichtigt die polnische Regierung den Einstieg in die Atomenergie. Als ein möglicher Standort ist die Kleinstadt Gryfino an der Oder im Gespräch, die unmittelbar hinter der deutsch-polnischen Grenze gelegen ist. Gryfino liegt etwa 15 Kilometer südlich von Stettin und etwa 160 Kilometer südöstlich von Rostock. Die Stadt Gryfino und die Wojewodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern) machen sich gegenüber der polnischen Regierung für ein Atomkraftwerk an diesem Standort stark. Die Hauptstadt der Wojewodschaft ist Stettin, mit der die Hansestadt Rostock seit über 50 Jahren eine enge Städtepartnerschaft verbindet. Daher wird die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen Antrag an die Rostocker Bürgerschaft stellen, dass diese sich gegenüber der Partnerstadt Stettin gegen den Bau eines Atomkraftwerks in Gryfino ausspricht. "Der Partnerstadt Stettin sollen so die Sorgen und Bedenken gegenüber diesem Projekt ausgedrückt werden", erklärt der Fraktionsvorsitzende Johann-Georg Jaeger. "Darüber hinaus sollen die Bürgerschaftspräsidentin und der Oberbürgermeister von der Bürgerschaft beauftragt werden, diese ablehnende Haltung der Hansestadt Rostock gegenüber der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern in geeigneter Form deutlich zu machen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern soll sich in den anstehenden Beteiligungsverfahren die Bedenken der Rostocker und Rostockerinnen zu Eigen machen." Der Antrag der grünen Fraktion wird voraussichtlich am 27. Januar 2010 in der Bürgerschaft behandelt.

"Der Osten Deutschlands hat nach 1990 den Atomausstieg geschafft. Nachdem durch den Rückbau der Kraftwerksblöcke in Lubmin die Gefahr einer radioaktiven Belastung der südlichen Ostseeregion verringert werden konnte, würde nun der Betrieb eines Atomkraftwerkes in Gryfino eine neuerliche Zunahme des Belastungsrisikos bedeuten," so Jaeger weiter. Insbesondere durch die Gefahr eines unfallbedingten Austritts radioaktiv verseuchten Kühlwassers entstünde eine permanente Bedrohung an der südlichen Ostseeküste.

Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage vom Juli 2009 hält über die Hälfte der Deutschen diese Art der Energiegewinnung für technisch unsicher und glaubt, dass die weitere Nutzung der Kernkraft die Entwicklung alternativer Energien behindert. "Und tatsächlich könnten nachhaltige Entwicklungen in der Rostocker Wirtschaft gefährdet werden. Die Wirtschaftsförderung der Hansestadt Rostock ist zunehmend erfolgreich um Firmen im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Umwelttechnologie bemüht. Der Windkraftanlagenhersteller NORDEX ist bereits umsatzstärkstes Unternehmen Mecklenburg-Vorpommerns. Mit Suzlon ist am Standort Rostock ein weiterer großer Hersteller für Windkraftanlagen angesiedelt", konkretisiert Johann-Georg Jaeger (Foto).

Die beginnende Entmonopolisierung und Umgestaltung des Energie-Sektors wird durch den Bau solcher Großanlagen wie in Gryfino gefährdet. Zudem gefährdet der vermeintlich billige Strom aus Atomkraftwerken durch rücksichtslosen Verdrängungswettbewerb den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Tatsächlich ist Atomstrom aber nur so "billig", weil ein beachtlicher Teil der wirklichen Kosten auf zukünftige Generationen umgelegt wird. Die Entsorgung des Atommülls ist bis heute nicht geklärt und verursacht wie in Asse, Gorleben und Lubmin fortwährend immense Kosten, ohne dass eine sichere Endlagerung absehbar wäre.

MVregio Rostock red/hro

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Artikel erstellt: 29.12.2009, 13:08, 4197 Anschläge

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