Grüne Fraktion setzt sich für den Verbleib der Stasi-Unterlagen in der Region ein
25.02.2010: Rostock/MVregio Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der Rostocker Bürgerschaft steht den Überlegungen innerhalb der Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU),
den Archivstandort in Waldeck aufzugeben, äußerst kritisch gegenüber. Im Namen der gesamten Fraktion schrieb der Fraktionsvorsitzende Johann-Georg Jaeger der Bundesbeauftragten Marianne Birthler folgenden offenen Brief.
Sehr geehrte Frau Birthler,
die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der Rostocker Bürgerschaft steht den Überlegungen innerhalb Ihrer Behörde, den Archivstandort in Waldeck aufzugeben, äußerst kritisch gegenüber. Das Schreiben der Bürgerschaftspräsidentin sowie des Oberbürgermeisters der Hansestadt Rostock hat bereits wichtige Aspekte verdeutlicht und Ihnen die Bedenken der Rostocker Bürger und Bürgerinnen übermittelt. Über die dort genannten Aspekte hinaus, möchten wir Ihnen einen konkreten Vorschlag unterbreiten, der Effizienzen und Synergien innerhalb Ihrer Behörde bündeln könnte.
Ziel muss es sein, gerade diesen besonderen Aktenbestand als eigenständige Sammlung zu erhalten. Denn die Akten des ehemaligen Bezirkes Rostock sind in Bezug auf die Ostsee und Skandinavien einzigartig. Deshalb handelt es sich nicht nur um Akten, die einem Standort variabel zugeordnet werden können, sondern es sind die Akten der Bürgerinnen und Bürger der ost-deutschen Küstenregion. Das Archivmaterial ist eng mit dem Schicksal vieler hier lebender Menschen verbunden. Die Akten sind daher schon lange nicht mehr nur Meterware eines illegitimen Regimes, sondern sind zum festen Bestandteil des örtlichen Kulturgutes geworden.
Deshalb denken wir, dass "unsere" Akten auch in unserer Region verbleiben müssen. Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit wurde auch zu einem erheblichen Teil durch die Universität Rostock, Stiftungen wie die Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg Vorpommern und die Evangelische Akademie der Landeskirche geleistet, die alle ihren Hauptarbeitsplatz in Rostock haben. Die Möglichkeiten der engen Zusammenarbeit würden durch eine Verlegung der Außenstelle aus der Region erheblich beeinträchtigt.
Eine der DDR-weit ersten Besetzungen einer Bezirksbehörde des MfS fand am 4. 12. 1989 in Rostock statt. Nicht zuletzt waren es auch Mitglieder der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die 1989 sowohl für die friedliche Revolution gekämpft als auch die Akten vor ihrer Vernichtung gerettet haben. Den Betroffenen, den Forschern und Forscherinnen, den Studierenden und allen Nachfahren müssen diese Akten in der Region erhalten bleiben, denn die Bürger und Bürgerinnen haben sich 1989 auch für die Einsichtnahme und für die Erreichbarkeit der Akten eingesetzt. Die BStU-Außenstelle in Waldeck ist in diesem Sinne schon lange kein reiner Archivstandort mehr, sondern ist zum unverzichtbaren Träger der örtlichen Erinnerungskultur geworden.
Wir schlagen daher vor, dass die Dokumentations- und Gedenkstätte in Rostock sowie die BStU-Außenstelle in Waldeck zusammengeführt werden. Durch den mittelfristigen Auszug der Universität sowie der Telekom AG aus dem Gebäude in der August-Bebel-Straße wäre direkt neben der Dokumentations- und Gedenkstätte in Rostock Raum für die Unterbringung der Akten. Die Bürgerschaftspräsidentin sowie der Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock haben Ihnen in einem Schreiben ihre Hilfe angeboten.
Wir bitten Sie daher, diesen Vorschlag gemeinsam mit der Hansestadt Rostock ernsthaft zu prüfen. In der Hoffnung, dass Sie Ihre Entscheidung noch einmal auf den Prüfstand stellen, verbleiben wir mit freundlichen Grüßen. gez. Johann-Georg Jaeger
MVregio Rostock red/hro
