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Warten auf den Anfall - Im Greifswalder Epilepsiezentrum suchen Ärzte nach Ursachen für eine der häufigsten neurologischen Krankheiten

29.12.2005: Greifswald/MVr Für Matthias verstreicht die Zeit mit Warten. Darauf, dass die epileptischen Anfälle beginnen. Und dass sie aufhören,

dass die Ursache gefunden wird und eine geeignete Behandlung. Seit einigen Tagen ist der 19-Jährige Patient des Epilepsie-Zentrums am Universitätsklinikum Greifswald. Im September hatte der Student seinen ersten Anfall. Bis er stationär aufgenommen wurde, hatten sich diese auf mehrere pro Stunde gesteigert. Nun scheinen Medikamente eine erste Besserung zu bringen. "Doch über den Auslöser der Erkrankung sind wir noch im Unklaren", sagt Uwe Runge, Leiter des Epilepsie-Zentrums.

Aufschluss soll die so genannte präoperative Diagnostik bringen, die bei jährlich rund 60 Patienten in Greifswald durchgeführt wird. Bis zu zwei Wochen wird in solchen Fällen ein Patient rund um die Uhr überwacht. Elektroden auf der Kopfhaut oder zuvor vom Neurochirurgen implantierte Mini-Sender zeichnen das Hirnstrombild auf. Eine Videokamera überträgt Bilder in den angrenzenden Kontrollraum, wo sie von Krankenschwestern überwacht werden. Denn kommt es zum Anfall, müssen sie sekundenschnell reagieren und ein Medikament verabreichen. "All diese Untersuchungen helfen uns herauszufinden, wo der Anfall beginnt, wie er abläuft und wie wir am besten helfen können", erläutert Runge.

Etwa fünf Prozent der Menschen erleiden seiner Aussage nach einmal im Leben einen epileptischen Anfall, etwa nach Schlaf- oder Alkoholentzug. Eine Epilepsie läge aber erst vor, wenn Anfälle wiederholt und unprovoziert aufträten. Das ist laut Runge bundesweit bei 600 000 bis 800 000 Menschen der Fall. Allein in Mecklenburg-Vorpommern, dem Haupteinzugsgebiet des Greifswalder Epilepsie-Zentrums, gibt es 15 000 bis 20 000 Betroffene. Pro Jahr kommen in ganz Deutschland zirka 40 000, in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 1000 Neuerkrankungen hinzu.

"Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen", sagt Runge. Sie könnten genetisch bedingt sein oder auch als Folge von anderen Hirnerkrankungen auftreten. Etwa 80 Prozent der Betroffenen würden durch Medikamente oder nach einer Operation anfallsfrei und könnten ein normales Leben führen.

Das Greifswalder Epilepsie-Zentrum nahm vor zehn Jahren offiziell seinen Betrieb auf. Es zeichnet sich laut Runge durch hochwertige Ausstattung und speziell geschulte Mitarbeiter aus. Das 15-köpfige Team behandelt jährlich rund 1300 Patienten. Etwa 30 von ihnen werden im Jahr am Gehirn operiert. Zu den Eingriffen zählen die Implantation von Elektroden zur Identifizierung der Anfallsursprungszone und das Entfernen dieser Region.

Jeder zehnte dieser Patienten wird zeitweise bei vollem Bewusstsein operiert: bei einer so genannten Wachoperation. Bei dieser Methode tastet sich Neurochirurg Henry W. S. Schroeder beim Entfernen des erkrankten Hirngewebes nur so lange Millimeter per Millimeter vor, bis er an Reaktionen des Patienten, etwa beim Lesen, Funktionsstörungen erkennt. "So können wir präzise und schonend operieren sowie psychische und körperliche Ausfälle beim Patienten verhindern", erläutert der Neurochirurg.

Eine Operation ist bei Matthias zurzeit kein Thema. Zunächst gilt es, die Ursache der Epilepsie herauszufinden. Das ist nach Aussage Runges bei einigen Fällen zwar nicht möglich, doch Matthias ist hoffnungsvoll, dass eine eindeutige Diagnose gestellt wird, dass es weniger Anfälle werden und diese vielleicht sogar ganz aufhören. Dafür geduldet er sich gern.

MVregio Landesdienst mv/hgw

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Artikel erstellt: 29.12.2005, 10:00, 3879 Anschläge

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